Bernd Schiller – Zum Tee am Teich der roten Lotosblüten

Kaum eine Insel hat man im Lauf ihrer Geschichte mit schöneren Namen bedacht: Vom Land der Hyazinthen und Rubine schwärmten schon die Reisenden in der Antike, und für Hermann Hesse stand bei seiner Landung in Colombo fest: „Wahrhaftig es ist das Paradies.“ Jahrzehntelang überschattete ein blutiger Kampf zwischen dem Mehrheitsvolk der Singhalesen und der Minderheit der Tamilen das Reiseland. Mittlerweile hat sich das Prinzip Hoffnung durchgesetzt. Sri Lanka schaut voll Optimismus nach vorn, Besucher aus aller Welt genießen die Palmenstrände am Indischen Ozean und stehen wie eh und je staunend vor grandiosen Buddha-Figuren. Bernd Schiller lässt die überwältigende Landschaftsvielfalt, das Neben- und Miteinander der Kulturen und Religionen in Begegnungen und einprägsamen Szenen lebendig werden. Seine Gesprächspartner trifft er in langsamen Eisenbahnen und klapprigen Bussen, auf bunten Märkten und bei nächtlichen Prozessionen voll Magie. Er verliert sich stundenlang in den Labyrinthen der Basare, meditiert in stillen Tempeln oder auch mal bei einem Sundowner auf den Terrassen der alten Kolonialhotels.

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Bernd Schiller – Zum Tee am Teich der roten Lotusblüten.
Impressionen aus Sri Lanka

2005 erschien die „Lesereise“ des Reisefachjournalisten Bernd Schiller, der, das merkt man seinen Texten an, Sri Lanka sehr genau kennt und schätzt. So sind die Eindrücke der Tsunami-Katastrophe, die die Tropeninsel schwer gebeutelt hat, auch in einigen der Texte naturgemäß recht präsent.

In 16 kurzen Kapiteln (ent-) führt Schiller den Leser in ein für den Europäer fremdartiges Land. Vom Morning Tea, den ein tamilischer Mann im Hotel aufs Zimmer bringt, über die alltägliche Korruption in Colombo, eine Pilgerwanderung auf den Adam’s Peak, Kolonial-Country-Clubs mit Krawattenzwang und Elefanten-Mahouts, über Zugfahrten durch das Inselinnere, Tuktuk-Touren in die Bürgerkriegszone, Deutsche in Sri Lanka („Hesse, Hagenbeck und Hausotter“) bis zu Ayurveda, Curryküche und Teehandel zwischen Hamburg und Ceylon reicht die Bandbreite der kleinen Erzählungen.
Das könnte alles ganz furchtbar interessant sein und ein aufregendes, nachdenkliches, buntes Kaleidoskop an Eindrücken und Einsichten zu Sri Lanka liefern, zumindest für mich geht die Rechnung aber nicht auf.

Zwar finde ich den Einstiegstext (über Tsunami und Folgen) ebenso wie den nachfolgenden Beitrag „Your morning tea Sir – Wie auf Sri Lanka ein neuer Tag beginnt“ atmosphärisch und erhellend, und rein inhaltlich reizen mich die meisten Texte dieses sehr schmale 132 Seiten umfassenden Bändchens, aber beim Lesen stellt sich gepflegte Langeweile ein. Die Texte plätschern in einer recht antiquiert wirkenden Erzählweise dahin, die viele historische Fakten einflicht, ja zum Teil nur aus Histörchen zu bestehen scheint, und schon im dritten Text beginne ich mich ob des Stils zu langweilen. Ich fühle mich eher nicht zum Tee an einem Lotosblütenteich eingeladen, sondern sehe mich im kolonialen Club sitzen, eine Tasse Tee in der Hand, während mich ein blaublütiger Langweiler mit irgendwelchen uninteressanten Anekdötchen zutextet, die spannend sein könnten, wäre der Erzählstil wenigstens ansatzweise packend.

So bin ich am Ende zwiegespalten, und wundere mich, wie jemand, der für den STERN geschrieben hat, eine so unglaublich belehrend-langweilige Sammlung an „Reise“-Texten zustande bringt. Das ist bedauerlich, weil ich gern mehr über Sri Lanka und seine Menschen und Kultur lesen möchte, und glaube, dass Schiller viel darüber zu erzählen wüsste. Aber so taugt das Buch vor allem als Einschlafhilfe – sehr schade. Berichte wie der über die Pilger auf dem Adam’s Peak hätten eine lebendigere und vielleicht auch zeitgemäßere Schreibe verdient.

Fazit: Kann man lesen. empfehlen würde ich es allerdings nicht.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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