Anne Lamott – Bird By Bird – Wort für Wort

„Anleitungen zum Schreiben und Leben als Schriftsteller“ lautet der deutsche Untertitel des Buches. Im Original steht an dieser Stelle „Some instructions on writing and life“, und das trifft es sehr viel besser. Das Buch ist keine wirkliche Anleitung, mehr eine Ansammlung von kleinen Anekdoten, die die Autorin wohl nicht zufälig in den Sinnzusammenhang eines virtuellen Schreibseminars stellt. Sie bezieht sich auf ihre Schreibkurse, erläutert, was sie ihren Schülern zu diesem und jenem Thema sagen würde oder gesagt hat und begleitet ihre persönlichen Einsichten mit vielen kleinen Details und Vignetten aus ihrem Leben.

Im Endeffekt ist

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Anne Lamott – Bird By Bird

– dessen Titel sich erst mühsam anhand einer dieser kleinen Geschichten erschließt, die mehr Zusammenhalt des Ganzen als Einsprengsel sind – ein autobiographisches Geplauder darüber, wie Lamott sich die Welt des Schreibenden vorstellt, eine Auflistung dessen was für sie funktioniert.

Lamotts Stil ist sehr blumig, wiederholt greift sie auf Metaphern aus ihrem Umfeld zurück, die sprachlich wie inhaltlich bald zu langweilen beginnen. Nicht jeder möchte sich zu allem, das mit Schreiben zu tun hat, dauernd das Bild einer alleinerziehenden Mutter mit einem dreijährigen nervenden Sohn vor Augen rufen. Noch mehr hat mich aber die Haltung der Autorin verstört, die ihren Lesern schon zu Beginn des Buches erklärt, dass ja irgendwie jeder schreiben will, die meisten Leute das nicht richtig können und nie richtig beherrschen werden, dass Gedruckt Werden sowieso total überschätzt wird, es nur die wenigsten schaffen und dass jeder, der nicht bereit ist sich durch seine Familiengeschichte zu schreiben, es sowieso nie schaffen kann. Das ist etwa so, als würde ein Starkoch ein Kochbuch veröffentlichen und seine Leser zuerst darauf stoßen, dass sie ohnehin nie die Rezepte in seinem Buch so perfekt hinbekommen werden wie er…

In „Bird by Bird – Wort für Wort. Anleitungen zum Schreiben und Leben als Schriftsteller“ stecken eine ganze Menge durchaus hilfreiche Tipps, wie man sich das Schreiben erleichtern kann, Kniffe, um mit Schreibblockaden umzugehen, Grundsätzliches zu Dialogen. Das alles ertrinkt jedoch in einem selbstgefällig vertonten, überladenen Wust von autobiographischen Details, die für mich dieses Buch zu einem der zähesten Leseerlebnisse seit langem machten.

Es mag Leser und Leserinnen geben, die sich mit „Bird by Bird“ gerade deshalb so wohl fühlen, weil hier die Autorin wie im Gespräch in einer Schreibgruppe frisch von der Leber weg aus ihrem Leben erzählt und dazwischen ein paar Fünkchen Wissen einstreut. Richtiges Handwerkszeug aber oder gar sinnvolle Tipps zum Leben als Schriftsteller – auch für die, die nicht so glücklich sind vom Schreiben leben zu können – fehlen hier. Enttäuschend.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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