A. Lee Martinez – Die Kompanie der Oger

Für einen, der unsterblich ist, kommt Never Dead Ned ziemlich häufig ums Leben – nur kehrt er immer wieder aus dem Reich der Toten zurück. Doch Ned bliebe lieber tot, als seine neue Aufgabe anzutreten: Er soll die Oger-Kompanie befehligen, die verwahrloseste Truppe der Welt. Selbstmörderische Kobolde, gehänselte Orks und verführerische Amazonen machen ihm das Leben zur Hölle. Und dann sind da noch die merkwürdigen Dämonen, die Ned auf Schritt und Tritt verfolgen. Furchtbares Unheil droht der Welt. Die Oger-Kompanie steht vor ihrer ersten – und schwierigsten – Aufgabe …

Noch schneller und lustiger als »Diner des Grauens«. Dieses Buch macht Fans von Terry Pratchett und Douglas Adams süchtig

behauptet der Rückeinband von

kompaniederoger

Die Kompanie der Oger: Sterben und sterben lassen!

Und tatsächlich gibt sich Martinez alle Mühe, ein launiges Gagfeuerwerk auf seine Fantasywelt abzufeuern – eines, in dem Never Dead Ned als der stets widerwillig auferstehende Antiheld, der alle Narben und Schmarren seiner vergangenen 49 Tode im Wortsinne mit sich herumschleppt, noch der normalste und langweiligste von allen ist.

Kein Fantasy-Klischee ist zu absurd, um hier nicht durch den Kakao gezogen zu werden, und die Charaktere machen dabei fröhlich mit, die Vorurteile über ihre jeweiligen Spezies zu verhärten und dann zu persiflieren – da wäre die männermordende Amazone Regina, der riesenhafte aber etwas tumbe Oger Frank, eine heruntergekommene versoffene Kompanie derselben, sich wie die sprichwörtlichen Karnickel vermehrende Kobolde und eine nach Fisch schmeckende Sirene, die alles flachlegt, äh -singt, was bei drei nicht vom Barhocker gepoltert ist, sowie eine magischen Wein produzierende Zwergelfin mit Übergewicht – kurzum, man könnte sehr viel Spaß haben in dieser sich nicht so superschrecklich ernst nehmenden Welt, wenn, ja wenn sie sich am Ende nicht doch noch grauenvoll ernst nähme.

Denn die vielversprechenden Tölpeleien von Ned, der vom Buchhalter unversehens zum Kommandeur des verwahrlosesten Haufens der bekannten Welt wird, einschliesslich seines ungewohnten Geschicks, bei aller Unsterblichkeit regelmässig zu Tode zu kommen, gepaart mit einem Haufen Offiziere, die ihm mehr oder weniger offensichtlich nach dem Leben trachten, macht schon bald einer nur allzu bekannten Grundstory vom Typ Gut gegen Böse, Armageddon und Vernichtung allen Seins Platz. Und dabei hilft es der Handlung nicht wirklich, dass die Hauptfigur eher desinteressiert durch die Story schlurft. Auf ungefähr der Hälfte des Romans verliere ich die Lust, weiter zu lesen, weil offensichtlich ist, was geschehen wird. Auch die Plänkeleien zweier männermordender Weiber, die sich ausgerechnet den hässlichsten, langweiligsten Loser des Universums aussuchen und sich stilecht die Augen auskratzen, trägt zu diesem innerlichen Gähnen bei. Das soll innovativ sein? Klasse Ideen mit Potenzial, wie lebende magische Finanzpläne, gehen dagegen völlig unter.

Von Pratchett oder Douglas Adams ist A. Lee Martinez zumindest mit diesem Roman Äonen entfernt. Drei Seiten Abenteuer mit Sam Vimes haben mehr Mumm (pun intended) und schrägen Humor zu bieten als die gesamten 416 Seiten dieses Romans.

Obwohl die zugrundeliegende Idee des Antihelden hier mit einer durchaus spannenden Geschichte verknüpft wird, kann Martinez diese Spannung nicht an den Leser weitergeben, und die humoresken Einlagen der ersten Seiten machen nur zu bald dem altbekannten Gemetzel und nur an der Oberfläche angekratzten Klischees Platz. Am Ende wandelt sich alles magischerweise in gepflegte Langeweile – schade drum.

Bewertung: ★★☆☆☆ 

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Ein Gedanke zu „A. Lee Martinez – Die Kompanie der Oger“

  1. Der Humor ist definitv ein ganz anderer als Pratchett oder Adams, aber trotzdem find ich das Martinez Spaß macht.
    Das ganze ist oberflächlicher, ja, aber trotzdem fand ichs wirklich gut. Wobei der erste Roman, Diner des Grauens, besser ist.

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