Veröffentlichungen

David Roberts – Finding Everett Ruess

Finding Everett Ruess by David Roberts, with a foreword by Jon Krakauer, is the definitive biography of the artist, writer, and eloquent celebrator of the wilderness whose bold solo explorations of the American West and mysterious disappearance in the Utah desert at age 20 have earned him a large and devoted cult following. More than 75 years after his vanishing, Ruess stirs the kinds of passion and speculation accorded such legendary doomed American adventurers as Into the Wild’s Chris McCandless and Amelia Earhart.

lautet die Kurzbeschreibung bei Amazon.de zu

Finding Everett Ruess: The Life and Unsolved Disappearance of a Legendary Wilderness Explorer

Und tatsächlich war ich nach Jon Krakauers Into the Wild, das ich sehr mochte, gespannt auf dieses Buch, welches einen “Explorer” und Künstler gleichermaßen darstellen sollte. Everett Ruess (der hier verlinkte Wikipedia-Artikel fasst recht gut zusammen was über ihn bekannt ist) begab sich als Teenager auf immer längere Touren durch die Wildnis der USA, bis er schließlich im Alter von ungefähr 20 irgendwo in den Wüstenlandschaften von Utah verschwand.

David Roberts hat versucht, aus den Materialien, die Ruess hinterliess, eine Biographie zu erstellen – kein ganz leichtes Unterfangen, denn gut 70 Jahre nach dem Verschwinden eines jungen Mannes noch Zeitzeugen zu finden ist nahezu unmöglich. So stützt sich Roberts vor allem auf die Briefe und Tagebücher, die der Familie Ruess von Everett geblieben sind, und die Arbeit anderer Ruess-Enthusiasten, wie Everett Ruess: A Vagabond for Beauty.

Man merkt, dass sich der Autor tief in sein Recherchethema eingearbeitet hat. Tatsächlich fand ein Großteil davon in Zusammenarbeit mit National Geographic statt, die Roberts für diesen Artikel über Everett Ruess bezahlten. Und beim Lesen des Buches wünschte ich mir, er hätte es bei diesem Artikel belassen, denn im Gegensatz zum Buch ist dieser gestrafft, und halbwegs spannend geschrieben.
(weiterlesen …)

Kelly Winters – Walking Home: A Woman’s Pilgrimage on the Appalachian Trail

Lange, bevor sich Bill Bryson auf seinen Walk in the Woods (auf Deutsch: Picknick mit Bären) begab und damit ein weitgefächertes Interesse am Appalachian Trail weckte, nämlich vor mehr als 25 Jahren, interessierte ich mich schon für diesen ungewöhnlichen Wanderweg, der sich 2100 Meilen entlang steiler Bergrücken quer durch 14 Staaten der USA zieht. Das war noch vor den Zeiten des WWW, und dennoch trieb ich Informationen auf, Schnipsel, begann zu sammeln und davon zu träumen, irgendwann den Trail zu begehen.

Irgendwie wurde daraus aber nichts, dennoch faszinieren mich Berichte über solche Outdoor-Abenteuer sehr. Deswegen stand auch

Walking Home: A Woman’s Pilgrimage on the Appalachian Trail

lange Zeit auf meiner Leseliste bzw. dem Wunschzettel, und vom Erwerb bis zum Lesen vergingen nochmals zwei Jahre. Bequem auf einem Sessel sitzend, in einem thailändischen Resort bei Außentemperaturen von 30°C, war das genau die Art von Lektüre, die Spaß macht. Und tatsächlich hatte ich Spaß beim Lesen, denn Kelly Winters ist eine durchaus begabte Autorin und lässt mit ihren Beschreibungen die Schönheit der Natur, welche sie durchwandert, bildhaft erstehen, ebenso wie auch ihre Schilderungen von Unwettern und anderen weniger schönen Begleitumständen ihrer Wanderung sehr lebensecht sind.

Mit wenig schönen Begleitumständen, oder eher Auslösern für diese Wanderung zu sich selbst, beginnt auch das Buch, und das ist mit mein größter Kritikpunkt, denn Winters lässt sich recht plastisch und unnötig ausführlich (nicht nur) für meinen Geschmack über die ungesunde Beziehung zu einem Mann aus, dessen sexuelle Vorlieben eher unappetitlich waren. Sie braucht lange, um die Kraft zu finden diesen Mann zu verlassen, und ich kann nur vermuten, dass sie dies deswegen an den Anfang gestellt hat, weil es in so starkem Kontrast zu der selbstbewussten Person steht, die man am Ende des Buches kennen gelernt hat.
(weiterlesen …)

Arto Paasilinna – Der liebe Gott macht blau (Hörbuch)

Arto Paasilinna genießt so etwas wie Kultstatus, nicht nur in Finnland ist er sehr populär. Seinen Büchern eigen ist ein recht eigenwilliger Humor, und ein stets kritisch-launiger Blick auf finnische Eigenheiten. Das ist auch in

Der liebe Gott macht blau, gesprochen von Jürgen von der Lippe

nicht anders.

Die Handlung: Gott, der Allmächtige, hat die Schnauze voll, und braucht ganz ganz dringend Urlaub. Da er aber die Geschicke der Welt, die er im übrigen aus einem alten feuchten Gemäuer in Bulgarien steuert, nicht einfach so loslassen kann – schließlich gibt es da noch den ewigen Gegenspieler, und auch die anderen Göttinnen, Götter und Religionen dieser Welt bereiten ihm Kopfzerbrechen – muss ein Stellvertreter her. Doch sowohl Petrus als auch der Erzengel Gabriel lehnen dankend ab, sie ziehen lieber im Hintergrund die Fäden. Also beauftragt Gott seine Heerscharen damit, jemanden zu finden, der tief gläubig ist und die richtige Einstellung zum Job hat. Und ganz zum Entsetzen seiner beiden rechten Hände findet der Herr diese Person in Birger Ryynänen, einem Kranfahrer aus Finnland, der auch schon mal wenn ihm langweilig ist Stoßgebete für die Besserung der Welt abgibt.

Birger findet das Jobangebot klasse, und tritt an, den Weltfrieden herzustellen und bei der Gelegenheit auch den Himmel (= den Wohnsitz Gottes) aus dem muffigen alten Gemäuer auf dem Balkan dahin zu verlegen, wo er seines Erachtens hingehört: nach Finnland nämlich. Das allerdings findet gar nicht die Gegenliebe von Petrus und dem Erzengel…

Wie Birger die Geschicke der (nicht nur) gläubigen Welt lenkt, ist recht locker-flockig beschrieben, und Paasilinna schafft es, die Existenz von christlichem Gott und anderen Weltreligionen sowie der Evolution und Wissenschaft geradezu schlüssig zu einem großen Ganzen zu vereinen. Dieser Weltentwurf ist eine der Stärken des Buchs. Neben Birgers Geschichte und seinem Ringen nicht nur mit dem Leibhaftigen, sondern auch den ihm Steine in den Weg legenden Engeln, wird auch noch die seines besten Freundes erzählt, der stets dem schnellen Geld und dem nächsten garantiert Erfolg versprechenden Projekt sowie allen Rockschößen nachjagt, und der im Laufe des Buches sogar seinen eigenen Schutzengel bekommt. Zwecks Modernisierung des Himmels wird ausserdem ein IT-Geek, ein frisch aus dem Silicon Valley aufgestiegener Engel, angestellt. Ein Jahr lang soll Birger durchhalten, aber an allen Ecken und Enden tun sich Baustellen auf, und es ist fraglich, ob er nicht mit seinen Veränderungen am Ende alles noch viel komplizierter macht.

Wirklich spannend ist die Geschichte bei aller Detailverliebtheit und humorösen Einlagen nicht; wie schon bei Adams Pech die Welt zu retten lässt die Story im letzten Viertel des Buches stark nach, das Pulver ist verschossen, im Grunde längst alles gesagt und erlebt. Dank des erneut fabelhaften Vortrags von Jürgen von der Lippe sind die fast sechs Stunden Hörbuch aber ein recht vergnüglicher Zeitvertreib, und schön im Auto nebenher zu hören.

 

Bewertung: ★★★☆☆ 

Norbert Golluch – Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise… (Hörbuch)

Umständlich schön, unfreiwillig komisch, aber immer streng nach dem Buchstaben des Gesetzes: ein prall gefülltes Hörbuch mit Meisterwerken der Behördenprosa. Wir haben es immer gewusst: Die wahren Sprachschöpfer sitzen in unseren Amtsstuben und in den Ministerien, die Gesetzestexte verfassen. Die Fülle der ambitionierten Wort- und Sprachspiele lässt so manchen Lyriker und verdienten Prosaisten vor Neid erblassen.

schreibt Amazon.de bzw. wohl der Pressetext(er) über das Werk von Norbert Golluch.

Zumindest aber, was Urban Priol sehr gekonnt und mit hessischem bis pälzischem Zungenschlag auf dieser recht kurzen CD intoniert, wird dem Titel des Werks nur höchst bedingt gerecht.

Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet: Meisterleistungen der Beamtensprache

Denn auch wenn natürlich eine ganze Menge Beamtendeutsch Einzug in diese satirisch-heitere Stilblütensammlung findet, ist doch der bei weitem größere Teil aus Schreiben von Privatpersonen entnommen, die sich ihrerseits daran versuchen, Sachverhalte für Versicherungen, Polizeidiensstellen, Richter und andere möglichst formgerecht zu erstellen – und im großen Maßstab scheitern.

Hinein gemischt sind reichlich überspitzte (und zumindest für mich ermüdende) Umwandlungen literarischer Werke in Beamtensprech, etwa der Erlkönig von Goethe, plus einiges, das – wie der Autor auch im Vorwort anmerkt – so in Beamtensprache hätte stehen können, dies aber keineswegs tut. Tatsächlich gesteht Golluch, seine Texte zu weiten Teilen “im Internet” gefunden zu haben, und an die Stelle echten Beamtendeutsches treten häufig selbst erfundene Pseudoformulierungen.

So verschenkt der Autor ein bisschen die Chance, dass sich hier das System der überverschwurbelten, an Verhauptwörterung und Verklausulierung erstickenden deutschen Amtssprache selbst persifliert. Eine Überzeichnung dieser teilweise lächerlichen Begrifflichkeiten ist wirklich nicht nötig, um den Leser bzw. Zuhörer hilflos lachen und den Kopf schütteln zu lassen.

Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise… sorgt für eine gute runde Stunde relativ amüsantes Hörvergnügen, was vor allem auf den großartigen Sprecher zurück zu führen ist. Urban Priol erweckt auch noch die widerborstigsten Satzkonstrukte zu sprühendem Leben; sein Vortrag macht aus einem eher uninspiriert zusammengeklaubten Buch dann doch noch eine runde Sache.

Eine Kaufempfehlung kann ich trotzdem nicht aussprechen – für die derzeit knapp 15 Euro, die für die CD anfallen, kann man nämlich auch sehr viel bessere und längere (Hör-) Bücher kaufen.

 

Bewertung: ★★☆☆☆ 

Nigel Slater – Halbe Portion

Nigel Slater gehört zu den wohl bekanntesten (Fernseh-) Köchen Englands, und schreibt auch regelmäßig für den Observer. Aus einer Kolumne für das Blatt entstand die Idee zu einer Art Autobiografie, die im Englischen Original den Titel Toast: The Story of A Boy’s Hunger trägt.

Warum daraus im Deutschen

Nigel Slater: Halbe Portion
Wie ich lernte, die englische Küche zu lieben

wurde, ist mir jedoch ein Rätsel.

Die halbe Portion spielt wohl auf den halbwüchsigen Nigel an, um den es hier geht, die englische Küche allerdings liebte Nigel auch schon als Kind, entgegen aller Widrigkeiten.

Mit Toast, und zwar schwarz angebranntem, beginnt das Buch – prototypisch für die Küche seiner Mutter, die, glaubt man Slater, nicht nur nicht kochen konnte, sondern dies auch extrem ungern tat. In vignettenhaften Abschnitten, die sich als Reihe in einer Zeitung bestimmt gut gemacht hätten, lässt sich Slater über seine kindlichen Vorlieben für bestimmte Süßigkeiten, über Traditionen wie (steinharten) Christmas Cake, englisches Schulessen, seine Abneigung gegen Milch, und die Wichtigkeit des auf eine Grapefruit gepiekten Käseigels aus. Die einzelnen Texte sind dabei durchaus vergnüglich zu lesen, und erzählen die Geschichte einer Kindheit in der gehobenen Mittelklasse Englands, geprägt von dem langsamen Dahinsiechen der asthmakranken Mutter – ein Faktor, der Klein-Nigel ganz offensichtlich entging; einem eher abwesenden Vater, der die normalen Rollenklischees der Zeit erfüllte, und einer distanzierten Stiefmutter, die immerhin kochen konnte. Höchst selten tauchen andere Personen (wie Slaters Brüder) auf, und der Rahmen der Erzählungen reicht von Nigel im Alter von 8 oder 9 bis zu seinen ersten (hetero-) sexuellen Erfahrungen in der Kochlehre.

Das ganze liest sich nett und locker, bleibt aber dem Titel treu: es ist irgendwie nur eine halbe Portion; Slater, der von sich selbst sagt er sei sehr introvertiert, muss sich fragen lassen, warum er dann eine Autobiografie schreibt, denn wirklich Persönliches taucht darin nicht auf.

Immer dann, wenn man denkt, jetzt könne es interessant werden, gar tiefgründig, kommt ein neuer Abschnitt, in dem das zuvor gesagte nicht weiter thematisiert wird, sondern statt dessen über ein anderes typisches britisches Nahrungsmittel oder Süßigkeiten der Ära berichtet wird. Zwar zieht sich ein chronologischer Faden durch die Geschichte, aber das war’s auch schon. Das Buch taugt weder als kulinarische Erinnerungsreise durch die britische Küche noch als persönliche Erzählung eines prägenden Lebensabschnittes – über die humoresken Einlagen der einzelnen Kapitel hinaus fand ich es wenig bemerkenswert und streckenweise ziemlich langweilig.

Summa summarum: wohl nur für echte Fans zu empfehlen.

 

Bewertung: ★★½☆☆ 

Lonely Planet – Kanada

Kann man ein ganzes Land, noch dazu eines, das einen halben Kontinent bedeckt, in einen Reiseführer packen? Der

Lonely-Planet-Guide: Kanada



versucht das.

Auf schlagkräftigen 1024 Seiten, die nach Bundesstaaten Kanadas sortiert sind, plus ein paar Exkurse zu Nationalparks und dem üblichen allgemein Wissenswerten, führt der Lonely-Planet-Guide: Kanada den Reisenden durch das riesige Land.

Dabei kommt der gewohnte, informative Aufbau der Lonely-Planet-Reihe zum Zuge: Sehenswürdigkeiten, Verkehrsmittel, und Restaurants und Unterkünfte nach Region und Preis aufgeschlüsselt werden vorgeschlagen, kleine Kartenausschnitte unterstreichen Tourenvorschläge, und natürlich werden nicht nur die “großen” Sehenswürdigkeiten, sondern auch sportliche Aktivitäten, und so manche schrille Idee und Eigenheit aufgeführt. So weit, so gut.

2010 haben wir (mit dem Vorgänger dieses Buchs) eine Kanada-Reise geplant und auch umgesetzt. Während wir aber 2008 noch mit dem Lonely Planet Malaysia, Singapore & Brunei im Rucksack durch Malaysia getourt sind, bot sich dieses Vorgehen für Kanada nicht wirklich an. Das hat zum einen geografische Gründe. Malaysia ist ungefähr so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, und trotz einer faszinierenden Kultur einfacher in einen Buchdeckel zu quetschen als Kanada, das mit fast 10 Millionen Quadratkilometern auch physisch die Dimension eines solchen Guides sprengt. Schon Ontario für sich genommen ist dreimal so groß wie die Bundesrepublik… Der allgemeine Infoteil inklusive Ontario-Kapitel umfasst 275 Seiten, und das hätte für meine Zwecke völlig gereicht, dafür hätten mich manche Dinge vielleicht umfangreicher interessiert.

Bei der Planung ergab sich, dass die meisten Infos im Guide für mich relativ belanglos waren… wirklich cool und mit viel Nutzwert versehen sind für mich die Vorschläge, was man in 2,3,5 Tagen in einer der Metropolen anstellen kann, um ein ungefähres Bild davon zu haben, wie viel Zeit man da veranschlagen sollte, und was sich lohnen würde.
Ebenso hilfreich sind die Tipps zu An- und Abreise vom Flughafen, Verkehr, Fähren usw. Plant man aber einigermaßen vor, was bei Anreise aus Europa allgemein anzuraten ist, relativiert sich der Nutzen schon.
(weiterlesen …)

Wolfram Eilenberger – Finnen von Sinnen

Als ich das erste Mal von Wolfram Eilenbergers humoreskem Buch über die Finnen las, wanderte es sofort auf meinen Wunschzettel, und schaffte es schließlich auf den Stapel für Urlaubslektüre.

Finnen von Sinnen: Von einem, der auszog, eine finnische Frau zu heiraten

Eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Eilenberger ist in der Tat mit einer Finnin verheiratet, und schreibt sich in kurzen, vignettenartigen Kapiteln an die Eigenarten und Macken der Finnen heran. Die kleinen Geschichtchen laden bisweilen zum Lachen ein, manche zum Schmunzeln, manche sind so erkennbar überzeichnet, dass ich sie eher bemüht finde, aber im Kontext ergeben sie dann Sinn.

Kein Klischee wäre zu banal, um hier nicht noch verwurstet zu werden, und der Erzählstrang windet sich lose, aber keineswegs konsequent linear, an der Liebesgeschichte des Erzählers und seiner finnischen Pia entlang, die mehr oder minder in einer typisch finnischen Hochzeit auf dem Lande gipfelt.

Ob es die Liebe des (schweigsamen) finnischen Mannes zu seinem mökki ist, oder das erhebliche Temperaturgefälle zwischen Deutschland und Finnland im Winter, Fußball, Tango, korrektes Saunieren oder die Unerlässlichkeit der Kartoffel bei einem finnischen Mahl, das alles ist augenzwinkernd karikiert und mit augenscheinlich einiger (persönlich erlebter) Sachkenntnis geschrieben.
(weiterlesen …)

Heinz G. Günther – Clever Küchen kaufen

Bereits in der 6. überarbeiteten Auflage ist Ende 2011 der Ratgeber

Heinz G. Günther: Clever Küchen kaufen

erschienen.

Der Autor, selbst jahrelang Spezialist im Küchenhandel, verrät in dem Buch alles Wissenswerte rund um das Thema Küche planen und kaufen, begleitend gibt es eine Website zum Buch und Thema, auf der sich mancherlei Tipps finden lassen, wenn man vorhat, eine neue Küche zu kaufen.

Als “TV-Küchenexperte” wird er da bezeichnet, augenscheinlich hat es der Autor (von mir unbemerkt) geschafft, auch bei RTL und SAT1 promotet zu werden. Aber zum Buch…

Rund die Hälfte des Buches widmet sich dem Thema Planung einer Einbauküche. Ausführlich lässt sich Günther zu Schranktypen und -abmessungen, Materialien und Werkstoffen, Küchendetails, und dem korrekten (selbst erstellten) Aufmaß aus, bis hin zu einer Beispielsplanung für seine eigene Küche. Hier steckt viel Fachwissen drin und man merkt, dass der Mann “vom Fach” ist. Die zweite Hälfte des Buches widmet er dann dem Thema Küche kaufen, dem Umgang mit dem Verkäufer, den vertraglichen Fußangeln, und was es so alles zu beachten und ggf. zu beanstanden und zu ändern gilt, ehe man die finale Unterschrift unter den Vertrag tätigt.

Schließlich gibt er noch Tipps zum Umgang mit Mängeln und der korrekten Abwicklung einer Mängelbeseitigung.

Das meiste, was Günther schreibt, ist zweifelsohne richtig, leider aber dermassen dröge geschrieben, dass man sich schon sehr anstrengen muss um die paar Perlen zu finden, für die es sich lohnen würde das Buch zu kaufen. Viel Fachwissen zu haben bedeutet nicht, dass man dieses auch gut vermitteln kann, was sich hier erneut zeigt.

Eine stringente Gliederung anhand der Dinge, die der potenzielle Küchenkäufer wirklich wissen will (und muss), als Bullet Points, mit Erläuterungen, wieso weshalb und warum, wäre dem Thema dienlicher gewesen als das narrative Konstrukt, das Günther hier erstellt. Aus dem Text muss man sich das Relevante leider selbst mühsam extrahieren.

Wer “Einbauküche kaufen für Dummies” erwartet, wird enttäuscht. Dass der professionelle Küchenplaner hier eher als Gegner denn als Partner, mit dem man als Kunde auch vertrauensvoll zusammenarbeiten könnte, dargestellt wird, macht es umso trauriger, ist aber wohl Günthers USP.

Plant man die Neuanschaffung einer (teureren) Küche und hat sich mit dem Thema noch nie befasst, kann es sich ggf. lohnen, das Werk anzuschaffen. Nüchtern betrachtet, kommt es auf die 20 Euro dabei auch nicht an. Die Fragen, die sich für mich bei einer Küchenplanung ergeben, kann mir das Buch allerdings nicht beantworten. Das kann nur mein Küchenhändler.

Bewertung: ★★★☆☆ 

Karen Miller – The Awakened Mage

Der zweite Teil von Karen Millers Kingmaker, Kingbreaker-Serie.

Als ich den ersten Teil dieses Buches, The Innocent Mage, las, war ich mir nicht sicher ob ich mir einen zweiten Teil antun sollte. Aber dann fand

Karen Miller – The Awakened Mage
Kingmaker, Kingbreaker Book 2

doch seinen Weg auf meinen Lesestapel, schließlich will man bei so angefangenen Sachen ja irgendwie doch wissen, wie sie ausgehen.

Um es kurz zu machen: es lohnt sich nicht wirklich, dieses Buch zu lesen. Die Handlung um Asher aus Restharven, den Fischermann aus dem einfachen Volke (hier: die Olken) und eine elfengleiche Spezies von “Adligen”, die Doranen, und ihren König, sowie den weit zurück liegenden magischen Krieg zwischen Barl und Morg, der die Hintergrundgeschichte für das Ganze bildet, gehen in einem Wust von mysteriösen Andeutungen und klischeebehafteter Langeweile unter.
(weiterlesen …)

John Grisham – Die Liste (Hörbuch)

John Grisham kennt wohl jeder – er ist seit “Die Firma” so etwas wie der Großmeister des juristischen Thrillers. Weltweit wurden über 60 Millionen seiner Bücher verkauft und in 29 Sprachen übersetzt, und zahlreiche seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt.

John Grisham – Die Liste (6 CDs)
gelesen von Charles Brauer

Das Buch

In Die Liste kehrt Grisham zu seinen Wurzeln zurück, oder vielmehr, zu denen seiner Charaktere. 1989 erschienen sein erster Thriller Die Jury (A Time to Kill), der in Clanton, Mississippi spielte, und einige der Figuren tauchen in beiden Werken auf – zum Beispiel Lucien Wilbanks und Harry Rex Vonner.

Ich-Erzähler von Die Liste ist Willie Traynor, und auch wenn die Geschichte aus dem Blickwinkel der Jetztzeit erzählt wird, von einem alternden Traynor, spielt die Handlung doch in etwa im Jahr 1985 oder 1986, zeitlich also vor A Time to Kill.

Der Roman ist in drei Abschnitte unterteilt. In Abschnitt 1 wird erzählt, wie Willie Traynor mit abgebrochenem Studium in der Stadt anlangt, dank Sponsorings seiner Großmutter Redakteur und schließlich Besitzer der Lokalzeitung wird, und über einen spektakulären Mordprozess berichtet. Dieser erste Teil ist es, der an Bücher wie Die Firma erinnert, und in dem Grisham sein schreiberisches Können zeigt, zumindest soweit es um den Spannungsbogen geht.

Eine junge Mutter wird brutal vergewaltigt und vor den Augen ihrer Kinder ermordet. Wer der Täter ist, steht relativ schnell fest – der jüngste Spross einer reichen und in allerlei kriminelle Geschäfte verwickelten Familie der Gegend, der Padgitts, die Macht, Einfluss, Geld, Bestechung und Einschüchterung auffahren, um das Schlimmste zu verhindern. Dennoch wird Danny Padgitt verurteilt; allerdings nur zu Haft und nicht zur Todesstrafe, wie viele erwartet haben.

Im zweiten Teil erleben wir mit, wie sich Traynor, unter anderem durch seine reißerische Berichterstattung über Padgitt reich geworden, in Clanton einlebt, wie das Leben weiter geht, und er schließlich feststellen muss, dass Padgitt Freigänger ist, mehr Freiheiten als mancher Staatsbürger Mississippis genießt, und sich auf dem besten Wege befindet, auf Bewährung frei gelassen zu werden. Die Drohungen der Padgitts gegen Traynor und alle anderen Beteiligten sind jedoch nicht vergessen.
(weiterlesen …)